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Shanties
Shanties, in welcher Form auch immer, sind allgemein bekannt. Doch
wer weiß schon, dass sie ursprünglich ausschließlich Arbeitslieder
waren, die auf den Segelschiffen bei bestimmten Tätigkeiten gesungen
wurden. Das ›Shanty‹, wahrscheinlich eine Ableitung des englischen
Wortes ›chant‹, Gesang, Melodie, und des französischen ›chanter‹
oder ›chantez‹, singen, singt!, knüpft an die Jahrtausende alten
Lieder der Ruderer und auch der Treidler an (deren Geschichte
allerdings jünger ist). Es ist ein Kind des schiffbau- und
segeltechnischen Fortschritts des 17. und 18. Jahrhunderts. |

Das Lied von der Bowline (Palstek) – »Haul
the
Bowline« – kann auf das 17., vielleicht sogar auf das 16. Jahrhundert
datiert werden. Die ›Buleine‹ war eine Leine des laufenden Gutes. Sie
griff an jeder Seite eines Rahsegels in ungefähr halber Höhe an und
diente dazu, auf Am-Wind-Kursen das Luvseitenliek des Segels nach vorn
zu holen.
Shanties haben viel gemeinsam mit den Liedern, die die Farbigen, vor
allem die Baumwollstauer in den Südhäfen der USA, sangen. Manches Lied
wurde später als Shanty auf den Tiefwasserseglern heimisch. Auch sie
entstanden aus einem Bedürfnis nach Erleichterung der Arbeit.
Rhythmischer Gesang erwies sich beispielsweise bei den Rudern als
ordnende Kraft und Ansporn zum gemeinsamen Tun.
Der
monotone Charakter dieser Seemannslieder hat seine Ursache darin, dass
sie in erster Linie rhythmisch und erst in zweiter nie melodisch sind.
So ist es auch zu verstehen, warum der Text zunächst als nebensächlich
angesehen wurde. Erst nach und nach vervoIlkommneten sie sich in Melodik
und Textaufbau.
Alte Seemannskisten, in
denen die Seeleute ihre Habseligkeitenan Bord verstauten.
Eiserne Disziplin hielt die vielfach an Bord gepressten Matrosen als
Besatzung zusammen. Lange Seetörns, aber auch zermürbendes Warten auf
Ladung im Hafen, quälten die Männer. Trotz mechanischer Hilfen mussten
noch jegliche Arbeiten an oder unter Deck mit Muskelkraft bewältigt
werden. Kraft und Gleichtakt vieler Arme waren Vorbedingung für
schnelles und effektives Handeln. Um einen gleichen Arbeitsrhythmus zu
erreichen, und auch um sich die »Knochenarbeit« zu erleichtern, wurde
gesungen – in Form von Shanties.
Hörprobe:
Klick hier (Thetis-Crew, Rapperswil
SG, Schweiz)
Oh whisky is
the life of man.
Chor:
Whisky, Johny.
Oh I’ll drink
whisky when I can,
Chor:
Whisky for
my Johny.
Oh whisky hot
and whisky cold.
Chor:
Whisky, Johny.
Oh whisky new
and whisky old.
Chor:
Oh Whisky
for my Johny.
Oh Whisky
killed my poor old dad.
Chor: Whisky, Johnny!
Oh Whisky drove my mother mad.
Chor:
Oh
Whisky for my Johny.
Oh whisky made me pawn my cloth.
Chor:
Whisky, Johny.
Oh
whisky gave me
this red nose.
Chor:
Oh Whisky for my Johny.
I thought I
heard the old man say:
(Chor) :
Whisky, Johny.
Oh whisky for
all hands! Belay!
(Chor):
Oh
Whisky for my Jonny.
Die
unmittelbare Verbindung zur Arbeit bestimmte die charakteristische Form
des Shantys: Ein stimmgewaltiger Vorsänger, der Shantyman, der Strophe
für Strophe »aussang« – den Text oft phantasievoll variierend –, und
eine sangesfreudige Mannschaft. Es gab für diese Lieder keine feste,
gleich bleibende Form, und ein guter Shantyman konnte sich hier neue
Variationen einfallen lassen. Die Crew antwortete im Chor auf den
Vortrag des Shantyman mit dem fast gleich bleibenden Refrain, der den
Takt für die Arbeit angab.
Neben den Arbeitsshanties entwickelte sich auch das Spillsanty. Das
›Spill‹ wurde in der Regel von etwa zehn Matrosen mit Hilfe von
›Spillspaken‹ gedreht, und da dies große körperliche Anrengungen
erforderte, setzte man bei jedem Schub (das Spill bewegte sich damals
ruckweise) gleichzeitig an. Dabei sangen die Matrosen die Spill-Shanties,
die zwar einen besonderen Rhythmus hatten, aber wie andere Shanties auch
aus Vorgesangs- und Chorpartien bestanden. Eines der bekanntesten Spill-Shanties ist »Around Cape Horn«, dessen Melodie und Text – mit den
Zeilen »Blow, boys, blow, for California, oh!« und »on the banks of
Sacramento« – um die Welt gingen.
Zunftbild der
Segelmacher, um 1800
Die
Shanties waren echter, unverfälschter Ausdruck des Lebens und des
Denkens und Fühlens der Matrosen in jener Zeit". Sie besaßen soziale
Bindekraft, und sie gaben − wie nachstehendes Beispiel zeigt −
Erfahrungen und Gedanken, Wünsche und Hoffnungen in seemännisch
adäquater Weise wieder:
Hörprobe
»De
Hoffnung...«:
Klick hier für die Melodie
»De Hoffnung weer hunnert Dag
unnerwegs,
To my way, hay, hoday.
Se seil von Hamborg na Valparais,
It's a long time ago.
Kehrreim:
It‘s a long, a long, a long time ago,
To my way, hay, hoday.
It‘s a long, a long, a long time ago,
To my hoday, ho.
2. Se seil so good und se seil so
hart,
To my way, hay, hoday.
Se har so'ne goode kostbare Fracht,
It's a long time ago.
Kehrreim:
3. Un as de Ol nu flucht und gnaddert,
To my way, hay, hoday.
Dor keem de Duevel oever de Reeling kladdert,
It's a long time ago.
Kehrreim:
4. Wenn mi in tein Dag na'n Kanal du
bringst,
To my way, hay, hoday.
Denn kriggst Du mien Seel, so wohr as du stinkst,
It's a long time ago.
Kehrreim:
5. De Pott leep neegentein Mielen
toletzt,
To my way, hay, hoday.
Dor harr de Duevel de Skyseils bisett.
It's a long time ago.
Kehrreim:
6. Un as he nun in'n Kanal keem to
Stell,
To my way, hay, hoday.
Dar seeg de Duevel "Nu her mit de Seel.",
It's a long time ago.
Kehrreim:
7. Dar seeg de Ol "Nu lat di man Tied",
To my way, hay, hoday.
"We goht to Anker bi Kap San Patric",
It's a long time ago.
Kehrreim:
8. De Duevel de weer för Freid all
ganz weg,
To my way, hay, hoday.
He leep op de Back, sett de Anker op Slip,
It's a long time ago.
Kehrreim:
9. De ole Timmermann har grote Freid,
To my way, hay, hoday.
He har den Duevel sien Steert mit vertaeut,
It's a long time ago.
Kehrreim:
10. Un as den Anker nu suust op den
Grund,
To my way, hay, hoday.
Dor suust de Duevel mit, de Swienehund,
It's a long time ago.«
Kehrreim:
Kurze Erklärung der Story: Der Kapitän
vermacht dem Teufel seine Seele, wenn er den (stürmischen) Nordsee-Kanal
in zehn Tagen passieren kann. Als die »Hoffnung« ihr Ziel erreichte,
sass der Teufel auf dem Ankerspill und verlangte die Seele des Kapitäns.
Aber dem Schiffszimmermann gelang es, den Schwanz des Teufels in der
Ankerkette zu vertäuen und den Anker zu versenken. »Und als der Anker
saust in den Grund, saust der Teufel mit, dieser Schweinehund.«
(Zusammenfassung von Almut Körting.)
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